Gemüsephilosophie und Grünkohl

Ein Produkt einkaufen und dann möglichst viele unterschiedliche Mahlzeiten daraus zaubern: Wer kochen mag, wird solche Herausforderungen lieben. Was früher zu hausfraulicher Tugend gehörte, um Haushaltsgeld einsparen zu können, kann heute neben dem Kostenaspekt auch viel zum Klimaschutz beitragen. Es ist einfach Fakt: Wer Lebensmittel möglichst effektiv nutzen kann, trägt maßgeblich zur CO2-Einsparung bei. Und dabei ist es nicht nur unabdinglich, so wenig wie möglich wegzuwerfen, viel auf die regionale Herkunft von Lebensmitteln zu achten oder auf industriell verarbeitete Nahrungsmittel zu verzichten. Es lohnt sich außerdem meiner Meinung nach, frisches Gemüse gegenüber Fleisch zu bevorzugen und sich gutes Fleisch für lohnende Gelegenheiten wie einem Grillabend mit guten Freunden aufzuheben. Und wer dann noch weiß, wie viele überraschenden Teile einer Gemüsesorte zu schmackhaften Gerichten verarbeitet werden kann, entdeckt ganz neue Kochfreuden.

Ich hab das immer weggeschmissen
Es war Mittagspause, wir saßen alle in der Firma im Pausenraum beisammen. Einige meiner Kollegen hatten sich beim italienischen Restaurant um die Ecke ihr Essen in Alu-Einwegbehälter packen lassen. Sie staunten nicht schlecht, als ich ihnen eröffnete, dass sich in meinem Glasbehälter Nudeln mit selbstgemachtem Selleriegrünpesto befanden. "Ich hab das immer weggeschmissen!", sagte meine Kollegin, die nach dem Verzehr ihres 8 Euro-Lunchs sich darüber zu wundern begann, warum ihr Kontostand in der Monatsmitte wieder deutlich gegen Null ging. Dabei können kleine Veränderungen im Geldbeutel und beim Klimaschutz schon viel bewirken; und damit meine ich nicht nur den Einweg-Müll, den die "Generation Coffee To Go" auch jenseits ihres Frühstücks zum Beispiel mit Aluschalen produziert. Wer offen dafür ist, sich mal mit den wirklich essbaren Teilen eines beliebigen Gemüses auseinanderzusetzen, kann echt leckere neue Gerichte zaubern. Vorausgesetzt, man wäscht die verarbeiteten Teile gut. Und dass die wirklich faulen und schimmligen Stellen natürlich nicht verarbeitet werden können, versteht sich hoffentlich von selbst. Leider werde ich das immer wieder im Gespräch über meine Gemüsephilosophie gefragt.

Radieserlblatt-Salat, Gemüseschalen-Fond und ...
Blätter an einem Bund Radieserl sind oft noch schön knackig. Zusammen mit karamellisierten Kürbiskernen können sie zu einem wirklich köstlichen Salat werden. Oder den Trick mit den Gemüseschalen-Fond, den viele, die schon in der Gastro gearbeitet haben, schon kennen: Karottenschalen, das Äußere von Knollensellerie, Petersilienwurzelschalen oder andere Gemüseabschnitte ergeben eine sehr schmackhafte Brühe. Achtung: Keine Kartoffelschalen verwenden, die sollen zu viel Nitrat enthalten.

...Grünkohlstrunk-Gerichte
Eine Freude bei diesem trüben Wetter ist, dass der erste wirklich gute Grünkohl des Jahres endlich auf dem Markt ist. Das Gemüse, das noch gar nicht so lange in Süddeutschland etabliert ist, schmeckt erst wirklich gut nach dem ersten Bodenfrost - da bin ich streng. In den allgemein bekannten Rezepten verarbeitet man nur die kleingeschnittenen Kohlblätter. Übrig bleiben die teilweise bis zu 30 cm langen Strünke des grünen Wintergemüses. Weil ich schon immer mal Gemüsechips selbst herstellen wollte, wurde ich heute experimentierfreudig. Ich hab einen Teil der klein geschnittenen Grünkohlreste in Öl, Paprikapulver und Salz gewendet und dann für eine Stunde auf einem Backblech bei 140 Grad Heißluft knusprig werden lassen. Währenddessen machte der Genussmensch an meiner Seite ein Abendessen. Das Rezept teile ich heute mit Euch:

Spaghetti Aglio e Grünkohl
Nudeln nach Packungsanweisung kochen, Knoblauch in beliebiger Menge sanft anbraten, ein paar klein geschnittene getrocknete Tomaten und vorher blanchierte Grünkohlblätter ins heiße Öl, die Nudeln nach Ablauf der Garzeit dazu, mit Salz, Pfeffer und Chilipulver würzen. Mit den Grünkohlstrunk-Chips bestreuen und servieren.



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