Aussehen ist nicht alles
Das Jahr 2019 ist bald zu Ende und das Netz diskutiert, ob das #Umweltsau-Lied im WDR Diffamierung oder gerechte Rache der Generation Greta-Fangirls und -boys ist. Mein Leitmedium DER SPIEGEL brachte in einer seiner letzten Ausgaben einen Bericht über US-amerikanische Forscher, die Atomstrom wieder aufleben lassen und Meiler entworfen haben, die ihren eigenen strahlenden Abfall recyceln. Ich persönlich sehe ein einsetzendes Umweltumdenken und gleichzeitig noch viel zu viele überdimensionierte SUVs auf den Straßen dieser Republik. Ich sehe gute Ideen und eine ungemeine Hysterie zur selben Zeit. Und ich sehe den Wortführern der "...for future" und der "... for Hubraum" Fraktion belustigt beim Obst essen zu. Höchste Zeit für klärende Genussmenschen-Worte.
Überfluss
Erinnert ihr Euch alle an das gigantisch gute Apfeljahr 2018? Die Bäume bogen sich, so viele Früchte waren dran! Insgesamt wanderten bestimmt 10 kg Äpfel allein zur Weiterverarbeitung durch meine Hände und wurden zum Beispiel zu Apfellikör oder Chutney. Der Genussmensch an meiner Seite ging zum Bier kaufen und kam mit geschenkten Äpfeln aus dem Getränkeladen zurück. Schwäbische Geschäftspartner meines damaligen Arbeitgebers (ich hätte gleich skeptisch werden müssen) verschenkten Körbe voll mit besten Äpfeln. Wer eine Abwechslung zum heimischen Überfluss haben wollte, musste nur in den Supermarkt. Dort gab es auch im Rekordapfeljahr 2018 Granny Smith Äpfel, auch aus Neuseeland. Und die allgegenwärtigen Bananen.
Bananen-Konsum
Wir Deutsche haben in den zehn Jahren von 2008 bis 2018 1,25 Millionen Bananen importiert und auch ich hatte meine Ration der gelben, extrem leckeren Früchte. Erzeugerländer waren vor allem Ecuador, Kolumbien und Costa Rica. Aus diesen wunderschönen Ländern kamen die Bananen in Flugzeuge oder Containerschiffe, wo sie ihre Kohlendioxid-schwangere Reise in die heimischen Supermärkte antraten. Und dort von Konsumenten aller Altersgruppen und mit allen erdenklichen Einstellungen zum Thema Umweltbewusstsein nur gekauft wurden, wenn sie
a) ohne braune Flecken
b) hellgelb, gern auch noch etwas grünlich
c) und mindestens paarweise zu haben waren.
Der Rest wanderte in den Müll.
Kohlendioxidreicher Abfall
Die EU hat ermittelt, dass jeder Europäer 35 kg Obst- und Gemüseabfall pro Jahr produziert. Aus der Zahl geht leider nicht hervor, ob nur die Privathaushalte müllstatistisch erfasst worden sind oder sich die Mengenangabe auch auf nicht verkaufte, blendend aussehende Einzelbananen bezogen hat, die der Handel entsorgt hat. Wenn wir pro Jahr (siehe oben) 125.000 Bananen energiereich über den Atlantik transportieren, sind das bei einem angenommenen Einzelgewicht von 150 Gramm pro gelber Frucht 18.750 kg pro Jahr und pro deutschem Konsumenten. Wie viel davon wandert in Deutschland in die Bio-Tonne? Und wie vielen Einkaufenden ist bewusst, dass die Banane einen verdammt langen Weg bis zur heimischen Biotonne zurücklegen musste? Jung und Alt, Alternative und Rechtskonservative, Veganer und Allesesser: Geht´s noch? Oder soll ich besser doch "How dare you?" schreiben, damit ich Gehör finde?
Südfrüchte-Nachhilfe
Egal welches Alter, egal welche politische Einstellung, egal welche Einkommensschicht: Jeder Konsumierende hat beim Thema Südfrüchte noch Nachholbedarf. Denn aus Bananen kann man viel mehr schmackhafte Dinge zubereiten, als man denkt. Fangen wir an bei der essbaren Schale. Jawoll: Richtig gehört! Aus Bio-Bananenschalen kann man Pancakes, Currys oder Smoothies machen. Ich hab auch mal von einem Hefe-Ansatz aus Bananenschalen gelesen, der dann wiederum zum Brotbacken verwendet werden kann. Bananen kann man außerdem in Scheiben geschnitten einfrieren und hat dann bei Bedarf Smoothie oder Quark gleich schön kühl. Jeder hat sicher sein Lieblingsrezept beim Thema Bananenporridge oder -smoothie. Es gibt so viele Bananenbrotrezepte wie Sterne am Himmel. Ich habe vor einiger Zeit mal ein Bananenchutney-Rezept in der Hand gehabt und kann mir vorstellen, dass die Fruchtsüße total super mit dem Chili aus dem Chutney harmonieren kann.
Aussehen ist nicht alles
Egal, ob ihr im SUV die Kids zum Fußballtraining fahrt oder auf die nächste Fridays for Future Kundgebung geht: Ich bin erst zufrieden, wenn in Zukunft weniger Bananen auf dem Müll landen - gilt natürlich auch für andere Lebensmittel. Egal ob braun gesprenkelt, leuchtend gelb oder Single: Der weite Weg von Mittel- oder Südamerika soll sich für Bananen lohnen, auch wenn sie nicht mehr perfekt aussehen. Und wer Lust auf einen süßen Brotaufstrich hat, viele Bananen im Haus hat aber keine Marmelade mehr, bekommt zum Abschluss noch ein Rezept.
Bananen-Paste
Bananen mit Kokosraspeln (ca. 1 Teelöffel pro verwendeter Banane) ein bißchen Zitronensaft und Sonnenblumenöl (1 EL auf zwei Bananen) pürieren. Sehr lecker auf getoastetem Vollkornbrot.
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