Lady Marmelade
Es ist Weihnachtszeit und für einen bloggenden Genussmenschen wäre es eigentlich sinnvoll bis logisch, über Plätzchen zu schreiben und mit Weihnachtsüberschriften statt Soul-Klassikern in Blog-Kapitel einzusteigen. Aber aus mehreren Gründen ist das hier und heute nicht möglich. Denn erstens bin ich viel zu beschäftigt, Plätzchen zu essen. Zweitens wollen wir hier ja die Küchenaktivitäten jenseits der festgeschriebenen Standard-Rezepte, die man buchstabengetreu befolgt, beschreiben. Und genau so backe ich Plätzchen; wie eine Finanzbeamtin. Die einzige Ausnahme steht schon in der Folge "Zimtsternmassaker". Und das Impro dort war eher dem Zufall geschuldet. Aber in einem anderen Küchenbereich bin ich dafür gerade viel kreativer
Marmela-Dinger
An alle, die das noch nicht wissen: "Marmeladinger" nennt man in Österreich deutsche Staatsbürger, wenn man etwas abschätzig über die nördlichen Nachbarn reden möchte. Nach den jahrelang dafür in Deutschland kursierenden Österreicher-Witzen kann man über dieses Phänomen großzügig hinwegsehen. Und an alle, die das noch nicht wissen: Es ist unheimlich einfach, Marmelade selbst herzustellen, liebe Supermarkt-Besucher. Das habe ich schon als Kind beim Einkochen mit Oma gelernt und habe seitdem meine Konfitüren-Kochkünste stetig verfeinert. So wurden aus schnöder Marmelade einzigartige Marmela-Dinger (von der Marmeladingerin, liebe Nachbarn - sagt´s ruhig).
Marmelade - das Grundrezept
An alle, die das jetzt mitschreiben: Ein Marmelade-Grundrezept nicht zu kennen, ist keine Schande. Und in meinen zahlreichen Gesprächen über Lebensmittelverschwendung habe ich immer wieder gelernt, dass viele einfach nicht mehr wissen, wie grundlegende Dinge wie Marmelade hergestellt werden.
Wer sein Frühstück versüßen möchte, gehe also wie folgt vor: Man nehme eine beliebige Menge beliebiger Früchte. Gebe ein Drittel des Gewichtes an 3:1 Gelierzucker hinzu. Ab 250 g Früchten kommt bei mir 50 ml einer beliebigen Flüssigkeit hinzu. Diese Mischung in einen Topf geben, anpürieren, eine Stunde stehen lassen, nochmal je nach gewünschter Konsistenz pürieren, zum Kochen bringen, gegebenenfalls entstehenden weißen Schaum abschöpfen. Nach höchstens vier Minuten Kochzeit muss man die frische Marmelade in kochend heiß ausgespülte Gläser geben. Diese sollen dann fest verschlossen kopfüber erstmal auskühlen. Dadurch entsteht ein Vakuum, das die Marmelade schön haltbar macht.
Die Möglichkeiten
Welche Früchte eignen sich für´s Marmelade machen? Eigentlich fast alle, ich habe allerdings noch keine Erfahrung mit Bananenmarmelade. Aber besonders geeignet ist das Obst, das nicht mehr ganz taufrisch ist und in seinem neuen Leben als Marmeladenzutat vor dem Abfalleimer gerettet werden kann. Kampf der Lebensmittelverschwendung! Und welche Flüssigkeiten sollte man hinzugeben? Auch da sind Eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ich habe schon Balsamico-Essig mit Zwetschgen, Gin mit Blaubeeren oder Brombeeren oder Erdbeeren mit Orangensaft und Aperol kombiniert. Letzten Sonntag öffnete ich ein hausgemachte Blaubeermarmelade, in das ich 2017 beim Einkochen ein Stück Vanilleschote getan hatte. Diese Geschmacksintensität war nicht zu toppen und wird wahrscheinlich nie im Handel frei erhältlich sein.
Einweck-Experten und ein letztes großes Geheimnis
Und hier der Profi-Tipp für grenzenlose Marmeladenexperimente: Kräuter eignen sich auch hervorragend, um aus einer kuscheligen Konfitüre einen avantgardistischen Aufstrich zu machen. Erdbeeren und Basilikum zum Beispiel oder Himbeeren und Thymian oder Zitronenverbene. Oder ihr tut ... Halt! Ein allerletztes Marmeladen-Geheimnis behalte ich noch für mich.
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